Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb beim Schulanfang 

4 Bereiche für den Erfolg im SSE: 

1) Physiologisch – organische Vorrausetzungen 

(= alles auf der rein körperlichen Ebene (Sinnesorgane, Sprechwerkzeuge)) 

a) Augen: 

- Optische Fähigkeiten: Funktioniert das Auge angemessen?
- Motorische Fähigkeiten: entsprechende Bewegbarkeit der Augen, z.B. scharf sehen,
hüpfen des Auges beim Lesen, Koordination der beiden Augen à Kind muss in der Lage sein, über die Körpermitte zu arbeiten 

b) Ohren: 

- akustische Fähigkeit: Hören ist bereits im 1. Lebensjahr abgeschlossen
- Leistung des Ohres: differenziertes Hören, z.B. Pausen, Tonhöhen, Tonlagen,
Rhythmen
- Teil des Gleichgewichtssinn (Ohrschnecke), z.B. Basis für eine stabile Raum-Lage-Orientierung 

-> Vorraussetzung für Schreib-, Buchstaben- und Zeilenrichtung 

c) Sprechtechnik: 

(= phonetisch korrektes Bilden von Lauten) 

- Zusammenarbeit von Zunge, Lippen, Zähne, Kiefer für eine korrekte Aussprache
- verschiedene Laute: Lippenlaute (b,m), Zahn-Zungen-Laute (t, d, n, l, s), Lippen-Zahn-Laute (w, f) 

d) Schreibmotorik: 

- beinhaltet Form- und Bewegungsvollzug
- Feinmotorik basiert auf Grobmotorik à körperliche Schulung ist notwendig
- motorische Fähigkeiten, die Schulreife ausdrücken:
nach Vorlage falten, Figuren nachzeichnen, erkennbare Bilder malen, mit Schere umgehen, Knoten machen und knöpfen können à Einschulungstest
- Grundproblem: Koordination von vielen Einzelimpulsen
- Voraussetzung: gute Körperhaltung à Muskellockerung, auch im Unterricht, z.B. Hampelmann, Hände ausschütteln
- Gender-Faktor berücksichtigen: Jungen sind im Durchschnitt motorisch noch nicht so gut entwickelt wie Mädchen 

2) Zentrale Funktions- und Verstehensleistungen 

a) visuelle Fähigkeiten (Optik): 

- differenziertes Auswerten von Bildern
- Leistungen: 

a) Unterscheidung von Sätzen, Wörtern, Buchstaben, Silben
b) Buchstabenverbindungen als Wörter wahrnehmen
c) Größe der Buchstaben (Lage, Reihenfolge wahrnehmen) 

- Identifizierung = Wiedererkennen –> visuelles Schema abspeichern und aufrufen können (“inneres Lexikon”)
- Diskriminieren = Unterscheidung von Buchstaben (b-d) 

-> Teilleistungen: 

a) Formauffassung und Differenzierung
b) Durchgliederungsfähigkeit (Wörter, Sätze sehen)
c) Raumorientierung (Leserichtung, Schreibrichtung)
d) Speichern von visuellen Wahrnehmungen 

b) auditive Fähigkeiten (Akustik): 

Die auditiven Fähigkeiten bezeichnet man auch als phonologische Bewusstheit.
Die phonologische Bewusstheit bezieht sich auf die Bereiche Lauschen, Reimen und Silbenerkennen sowie direkt auf die kleinsten Einheiten, die Laute (Phoneme).
Die Förderung der phonologischen Bewusstheit beinhaltet also Lauschübungen, Reimübungen, Silbenspiele sowie Übungen zur Analyse (Heraushören) und Synthese (Zusammenziehung) von Lauten. Dadurch soll eine Klanggestaltauffassung, eine Durchgliederungsfähigkeit, sowie eine Speicherung von auditiven Wahrnehmungen erzielt werden. Eine Förderung der phonologischen Bewusstheit im letzten halben Jahr vor der Einschulung erhöht deutlich die Chancen auf ein erfolgreiches Erlernen des Lesens und Schreibens. Deshalb werden in vielen Kindergärten Programme wie das „Würzburger Trainingsmodell“ oder das Übungsprogramm „WUPPIs Abenteuer-Reise“ angewendet. Das besondere an diesem Sprachförderprogramm ist die Einbettung der Übungen in einen Handlungsrahmen. Die Handpuppe Wuppi, die lesen und schreiben lernen will, erlebt mit den Vorschulkindern gemeinsam eine Abenteuer-Reise, die gleichzeitig eine umfassende Förderung der phonologischen Bewusstheit darstellt. 

(Das erste Beispiel zeigt eine Silbenübung, die mit einer spielerischen Aufgabe verbunden ist.
Das zweite Beispiel zeigt eine Übung, in der Anlaute herauszuhören und ähnliche Anlaute zu unterscheiden sind. Diese ist wiederum eingebettet in eine Geschichte. ) 

c) sprachliche Fähigkeiten: 

- Voraussetzung: Wortschatz
- Leistungen: 

a) ofte Variation des Wortes ermöglicht Worterkennung
b) einfache Satz- und Beugungsformen
c) freies Sprechen können, korrektes Artikulieren
d) Sprachverständnis 

d) elementares Schriftverständnis: 

- Symbolverständnis (es gibt Symbole, die für Sprache stehen, vgl. Stoppschild)
- Bedeutungserfassung von Schrift (z.B. Erkenntnis, dass “e” in mehreren Wörtern vorkommt) 

Übungen zur Feinmotorik 

Bewegungs- und Gestaltungsspiele:
Bei diesen Übungen geht es darum den Kindern spielerisch Elemente des schreiben Lernens zu vermitteln. Jedes Element soll das Kind in seiner Gesamtheit ansprechen. Durch das Zusammenspiel von Sprache und Bewegung werden die Kinder freier und lockerer in ihren Bewegungen. Dabei soll vom Einfachen (z.B. Kreise, Wellen) zum Schwierigeren (z.B. Zacken, Achterschwung) gegangen werden. Die Hinführung beginnt mit dem Spruch und den Bewegungen, die groß in der Luft gezeigt werden (dabei auch beide Arme verwenden), dabei wird zunächst die Grobmotorik gefördert. Zur Unterstützung der Feinmotorik eignen sich die Übungen zum schreiben im Sand, auf großem Packpapier auf dem Boden mit dicken Stiften sowie auf kleinerem Papier mit Buntstiften. 

Große,bunte Seifenblase,
platze nicht auf meiner Nase:
Flieg hinauf zum Himmelszelt,
flieg um die weite Welt.

  

Viele Perlen groß und schön,
könnt ihr an meiner Kette sehn. 

 

Wellen hoch und wunderschön
kann ich von dem Ufer sehn. 

 

Früh in der Frische,

fischt Fischers Fritze

frische Fische.

  

Formen mit Knete: 

Auch beim Kneten arbeiten die Kinder mit allen Sinnen, vor allem wird aber der taktile Bereich angesprochen. Es macht Kindern Spaß und lässt sich spielerisch aufbauen. Als Formen eigenen sich z.B. Brezen, Schnecken, Buchstaben usw.; sowie zu aktuell besprochenen Themen z.B. Früchte im Herbst (Äpfel, Birnen, Trauben…) 

Einfaches Falten: 

Eine gute Schulung der Feinmotorik bietet auch das Falten. Für einige Kinder ist die filigrane Arbeit mit dem Papier noch eine Herausforderung.
Einfache Faltarbeiten sind z.B. der Briefumschlag, das Schiffchen, das Windrad, die Schokolade… 

Praxisnahe Übungen: 

Viele Kinder kommen in die Schule und können keine Schleifen binden außerdem haben sie Schwierigkeiten mit Reißverschlüssen und Knöpfen. Zur Übung der Feinmotorik eignen sich mit Stoff bespannte Holzrahmen, an denen die Kinder Schleifen binden und knöpfen. So ist gleichzeitig der Praxisbezug hergestellt. 

  

Feinmotorik – Koordinationsübung mit Streichhölzern 

   

 

Material: 

· zwei Streichholzschachteln
· etwa 15-20 Streichhölzern. 

Aufbau: 

Das innere Kästchen zweier Streichholzschachteln auf einem Tisch (ca. 30 cm von einander entfernt) legen. Mit steigendem Abstand der Schächtelchen nimmt auch die Schwierigkeit zu. Die Streichhölzer in die Mitte zwischen die beiden Schachteln legen. 

Übung: 

Das Kind erhält die Aufgabe mit beiden Händen gleichzeitig die Streichhölzer zu nehmen und in die Schachteln zu legen. Mit der linken Hand in die linke Schachtel, mit der rechten Hand in die rechte Schachtel.
Als Variante zum gleichzeitigen Ablegen mit beiden Händen, kann auch das Ablegen der einzelnen Hände nacheinander erfolgen. Dies bietet sich vor allem dann an, wenn das Kind große Schwierigkeiten hat die Schachteln zu treffen.
Wichtig: Um das Kind nicht zu langweilen, sollte man es mit dieser Übung nicht übertreiben. Mehr als Dreißig Streichhölzer haben sich nicht bewährt. 

Sinn: 

Diese Übung dient der Koordination von kleinen parallelen Bewegungen mit beiden Händen. Dabei werden sowohl die linke als auch die rechte Hirnhälfte aktiviert. Durch die kleine Größe der Streichhölzer und der zugehörigen Schachteln, trainiert das Kind auch seine Feinmotorik, die für die Schreibmotorik und damit den Schrifterwerb wichtig ist. Durch das Greifen und Loslassen des Streichholzes werden die Muskeln sowohl angespannt, als auch gelockert. Somit wird einem Verkrampfen der Hand vorgebeugt. Dennoch bleibt zu beachten, dass die Feinmotorik zu einem Großteil auf der Grobmotorik beruht. Daher ist es ebenso wichtig, dem Kind Möglichkeiten zu bieten großzügige Bewegungen z.B. beim Sport auszuführen. 

Lockerungsübungen 

-> bringen Entspannung, vor allem wenn man lange sitzen muss 

- Schultern abwechselnd kreisen, Arme mit nehmen
- Rechte und linke Schultern abwechselnd nach oben ziehen und sie fallen lassen 

 

- Beide Schultern gleichzeitig nach oben ziehen und sie dann wieder entspannt fallen lassen 

 

- Mit dem rechten Arm den gebeugten linken Arm am Ellenbogen hinter den Kopf ziehen, Arm wechseln 

 

  

 

 

  

 

 

Astrid Albert, Lena Renner, Lisa Werner, Magdalena Müller, Lucia Kirschner, Veronika Grotz

Von VG, 18. Mai 2010, 17:59 Uhr

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