Aufgaben und Einflussfaktoren des Schriftspracherwerbs

Im Rahmen des Schriftspracherwerbs sollen die Lese- und Schreibkompetenz bei den Schülern entwickelt werden und die Kinder in die Schriftkultur eingeführt werden, sodass sie diese mit Freude wahrnehmen und so zu begeisterten Lesern werden. Würde dem Schriftspracherwerb der Aspekt der literarischen Sozialisation fehlen, d.h. er nur auf das Lesen- und Schreiben-Lernen abzielen, stünde der Weg zum Analphabetismus offen, denn ohne vermittelte Freude am Lesen werden Kinder auch nur – wenn überhaupt – das Nötigste lesen. So könnten Lese- und Schreibkompetenz leicht verlernt werden.

Deshalb ist es für den Lehrer wichtig, viele Aspekte, die auf den Schriftspracherwerbunterricht Einfluss nehmen, zu berücksichtigen, um einen gelungenen Schriftspracherwerb zu gewährleisten. Im folgenden Schaubild sollen diese Faktoren verdeutlicht werden:

Die erste Komponente, die das pädagogische Lehrerhandeln beeinflusst und für gelungenen Schriftspracherwerb unbedingt berücksichtigt werden muss, ist das Kind selbst. Pädagogisches Handeln hängt von der Vorstellung davon ab, was für kindliches Lernen wichtig ist: Dazu zählen u.a. angstfrei und motiviert sein, Lernwille und emotionaler Rückhalt. Der emotionale Rückhalt ist besonders im Schriftspracherwerb wichtig: Lernen an sich ist immer mit Emotionen verbunden. Werden Lesen und Schreiben schon in der 1. Klasse mit negativen Gefühlen assoziiert, ist dies das ganze Leben weiterhin unterschwellig vorhanden.

Auch die eigene Person bzw. der persönlich biographische Hintergrund wirken beeinflussend auf den Unterricht: Als Lehrer muss man sich immer im Klaren darüber sein, dass wir alle geformt sind (durch Noten, ehemalige Lehrer, den Job…). Das bedeutet, dass viele Reaktionen, die ein Lehrer im Klassenzimmer zeigt, ein Resultat eigener Erfahrungen sind. Diese Erfahrungen müssen aber keineswegs für andere passend sein.

-> Ein Lehrer sollte seine Handlungen stets daraufhin reflektieren.

Weitere Einflussfaktoren sind die Kollegen und die Institution Schule: Als Lehrer soll man mit dem Parallelklassenlehrer zusammenarbeiten. Dabei kann es durch unterschiedliche gesellschaftliche Ideale der Lehrer, verschiedene biographische Hintergründe,… leicht zu Spannungen kommen. Ein weiteres mögliches Problem v.a. im Schriftspracherwerb ist ein durch große Vergleichbarkeit entstehender Druck, da dem Schriftspracherwerb die Fibel fest vorgegeben ist und man immer die Frage im Hinterkopf haben kann: „Wie weit ist denn die andere Klasse schon?“

Sozialkontakte haben großen Einfluss auf uns und unsere Handlungen. Mit dem Begriff Sozialkontakte sind u.a. unsere eigenen Freunde, Freunde der Eltern oder die peer group gemeint. Man sollte alle seine Handlungen überdenken und überlegen, ob man etwas nicht nur tut, weil es ein Freund so vorgeschlagen hat oder weil das alle so machen.

Auch der Faktor Eltern wirkt auf den Unterricht ein: Es muss immer bedacht werden, aus welchem Elternhaus die Kinder kommen, ob sie daheim Anreize zum Lesen bekommen oder nicht. Auf keinen Fall sollte man als Lehrer davon ausgehen, dass es bei allen so sein muss wie es in der eigenen Kindheit zuhause war.

Der Kulturelle Kontext „umgibt“ alles, in ihn ist alles „eingebettet“. Der Begriff Kultureller Kontext meint gesellschaftliche Vorgaben wie u.a. die Klassenstruktur, die Rahmenbedingungen der Institution Schule und die Vorstellung von Erziehung. Dies ist jedem Lehrer für seine Arbeit vorgegeben. Daraus entstehen oft Spannungen, z.B. zwischen der gesellschaftlichen Vorstellung von Erziehung, das Kind solle funktionieren und lernen zu folgen, und dem Bestreben danach, Schüler zur Eigenverantwortlichkeit zu erziehen oder zwischen dem in einer bestimmten Zeit zu bewältigenden Lernpensum und der individuellen kindlichen Lernfähigkeit und –geschwindigkeit.

Von LP, 1. Mai 2010, 15:34 Uhr

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