Was sind Fibeln?

… ein Lehrbuch (dem Wort Bibel entlehnt) für (Schul-) Anfänger mit kindergerechter, umfangreicher Bebilderung. Die ältesten Fibeln enthielten neben ABC-Silben vor allem Bibelstellen.

Die Fibel ist in der Regel das erste Buch, welches das Kind selbst liest.

Allgemeine Ziele

  • Hilfe beim Lesenlernen für alle Beteiligten

Die Fibel bietet dem Schüler ein strukturiertes Lesenlernen. Dadurch behält er den Überblick. Der Schüler kann zu Hause selbstständig üben und ggf. nachschlagen.

Der Lehrer bekommt durch das Handbuch, Vorschläge und Anregungen zur Unterrichtsgestaltung.

Da die Eltern am Unterricht nicht teilnehmen, können sie anhand der Fibel den Leistungsstand des Kindes erkennen und mit ihnen üben.

-> Die Fibel ist ein strukturgebundenes Element.

  • Selbstständige Sinnentnahme

Die Fibel ist systematisch aufgebaut und strukturiert.

  • Kinder emotional ansprechen

Fibel soll als erstes Schulbuch Interesse, Neugierde und Lesefreude wecken. Dadurch soll sich das Kind emotional an die Fibel binden und somit Zugang zu anderen Büchern verschaffen.

  • Identifikation

Fibel soll sich an der Lebenswelt der Kinder orientieren (z.B. Familie, Spielplatz…).

  • Erwerb von Lesefertigkeit

Durch Übungen werden die Buchstaben systematisch eingeführt.

  • Lesemotivierendes Wirken

Motivation durch Text, Bild, Erlebtes,…..

An die Fibel werden hohe Ansprüchen gestellt!!!

Kriterien zur Analyse von Fibeln

  • Ausstattung bzw. Beschaffenheit der Fibel

Hierzu gehören Bindung, Größe, Stabilität, Gewicht, Einband…

Dies ist jedoch kein zentrales Kriterium, denn die meisten Fibeln werden den Anforderungen gerecht.

  • Sprache der Fibel

Vom Einfachen zum Schweren. Keine Fremdwörter und kindgemäßer, auf sich aufbauender Wortschatz. Die Sprache muss den Interessen der Kinder entsprechen (d.h. aus deren Lebenswirklichkeit) und soll zunehmend komplexer werden. Dies bezieht sich auch auf die grammatikalische Struktur.

  • Fibelinhalt

Orientierung an der Lebenswelt der Kinder (Freizeit, Schulprobleme, Familie…). Wichtig ist ein breites Spektrum von Inhalten, dass sich jedes Kind angesprochen fühlt!

  • Illustrationen

Illustrationen sollen sich nicht mit dem Text vermischen. Klare Formen und ansprechende Farben bilden einen Kontrast zum Text. Illustrationen sollten vielfältig sein (Totos, Bleistiftzeichnungen,…) damit sich jedes Kind angesprochen fühlt.

Die Bilder haben eine Doppelfunktion. Sie sollen sich zum einen auf den Text beziehen, und zum anderen den mündlichen Sprachgebrauch fördern und zum Erzählen anregen.

Methodische Auswahlkriterien

  • Methodischer Aufbau

Hierzu zählen Geschwindigkeit, die Einführung der Buchstaben (Vokale nicht alle am Anfang; Buchstaben die eine eindeutige Phonem-Graphem Zuordnung haben). Des weiteren ist darauf zu achten, wie schnell ganze Wörter angeboten werden. Es soll sich also möglichst schnell ein möglichst großer Wortschatz anhäufen. Dabei sollte aber der Wortschatz Lebensnah sein (z. B. Ball).

  • Motivation für das spätere Lesen

Die Fibel soll ein differenziertes, breites Angebot für den Schüler bereit halten (Sachunterrichtsthemen und Inhalte aus anderen Fächern regen zur Integration der Fibel in den Unterricht an). Bekannte Figuren und Literaturverweise sollen zum weiteren Lesen motivieren.

  • Lesemethoden

Je nach Art der Fibel (offen, halboffen, geschlossen) werden verschiedene Lesemethoden angewendet.

  • Bandbreite der Leseübungen

Leseübungen die die Fibel vorgibt werden am häufigsten gemacht. Für die Festigung ist zu beachten, dass ein guter Aufbau sowie Wiederholungen vorhanden sind. Zudem sollte eine Fibel offene Schreibanlässe anbieten und die Anlauttabelle geschickt eingebaut sein.

Chancen einer guten Fibel

  • Fibel als erstes Bucherlebnis

Die Fibel ist das erste Buch, welches bewusst durchgelesen und erarbeitet wird.

  • Motivation

Durch Bild, Text und Lebensnähe zum Kind.

  • Hilfestellung für Lehrkräfte

Im Handbuch befinden sich Kommentare, Hilfestellungen und Hinweise zu Problemen, die bei der Erarbeitung der Fibel auftreten können. Sie bietet zudem eine Struktur für Unterrichtsstunden.

  • Fachliche Kommentare
  • Klare Struktur für Leistungsschwächere
  • Leselehrgang ist von außen (Eltern) klar nachvollziehbar
  • Textvielfalt

Grenzen

  • Fibellehrgänge zielen auf ein Optimum für den Durchschnitt

Jedoch sind heute die Schüler sehr unterschiedlich. Manche Kinder können bereits Lesen – ihnen genügt die angebotene Vielfalt nicht. Daher sollten bei solchen Fällen externe Hilfsmittel verwendet werden.

  • Fibel setzt bei fiktiven Nullpunkt an

Vorwissen der Schüler kann schwer eingebraucht werden. Können sie bereits einen Buchstaben, wird dieser trotzdem nochmals eingelernt.

  • Eigenaktivität und Selbsttätigkeit rückt (je nach Fibel) in den Hintergrund
  • Themenschwerpunkte sind vorgegeben

Es gibt Inhalte die behandelt werden müssen, obwohl sie den Schüler vielleicht nicht interessieren.

  • Fibeln sind häufig klischeebeladen

Geschlechterrolle, Umgang mit Problemen, Normisierung der Familienkonstellationen à Verallgemeinerung

  • Fibelmaterialien gängeln die Lehrkraft: starre Konzeption

Fibel ist sehr umfassend (Schreibheft, Arbeitsmaterialien), wenn ich mich als Lehrer dafür entscheide muss ich auch damit arbeiten, da die Eltern bezahlen.

LS, PZ

Von LS, 29. Juni 2010, 16:58 Uhr

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