•  Mit welchen Problemen waren Sie in Sachen Schriftspracherwerb in den letzten zwei Jahren Ihrer Klasse konfrontiert? Hatten Sie einen Fall, der Sie am meisten geprägt hat und aus dem Sie neue Erkenntnisse für Ihre zukünftige Arbeit ziehen können?

Mangelnde phonologische Bewusstheit, Raum-Lage-Probleme (d-b…), Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, feinmotorische Probleme, zu wenig Übung und Unterstützung von bildungsfernen Familien.

Habe in meinen vielen Jahren mehrere Fälle erlebt und bin immer mehr zu der Erkenntnis gelangt, dass man kaum verhindern kann, dass ein „psychisch gesundes Kind“ lesen und schreiben lernt; spreche dem Aspekt „Reifung“ wieder mehr Bedeutung zu

  • Haben Sie ein bestimmtes Schema, nachdem Sie vorgehen und haben Sie dies bezüglich Tipps für angehende Lehrer/innen?

Lernen mit mehreren Sinnen (Phonem-Graphem-Zuordnung); Nach zwei Buchstaben sofort mit Synthese beginnen; mit Unsinnswörter und der Lesetasche üben; mehrere Methoden (Silben, Auf- und Abbauen, schwäbische Handzeichen, Lauttieren…anbieten), für interessierte Schüler Anlauttabelle anbieten, damit sie selbstständig weiterlernen können; Leselehrgang verwenden, der auf Kinder mit Migrationshintergrund Rücksicht nimmt (z.B. „Momo“) und sie nicht mit unbekanntem Wortschatz (z.B. bei der akustischen Identifikation) belastet

  • Wie wirken sich die Probleme der einzelnen Kinder im Schriftspracherwerb auf Ihre eigene Unterrichtsgestaltung (Planung, Stunde) aus?

Innere Differenzierung; ideal ist auch eine äußere Differenzierung v.a. in der Phase der Synthese-Übungen, enger Kontakt zu den Eltern, sie über Leselehrgang informieren und sinnvolles Üben aufzeigen, Freude an Schriftsprache wecken, z.B. durch Riten (Buchstabenzug, Buchstabenausstellungen, kreativer Umgang mit Sprache, freies Schreiben von Anfang an), viel Lob und Unterstützung

  • Sehen Sie diese Probleme als zusätzliche Berufsbelastung an oder als Herausforderung, der Sie sich gerne stellen? 

Probleme im Schriftspracherwerb belasten mich eigentlich nicht. Solche Kinder gab es schon immer. Es ist die Summe der Probleme, die sich in einer Klasse ergeben und die spürbar ansteigen:

vernachlässigte, verhaltensgestörte Kinder, zu große Klassen, zu wenig Differenzierungsstunden, Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sitzen genauso in der Klasse wie sehr intelligente und wissbegierige Kinder von ehrgeizigen Eltern. Meist übernehmen die Lehrer auch noch die sozialpädagogische Betreuung der Familien. Jetzt sollen wir auch noch körper- und geistig behinderte Kinder aufnehmen und das ohne wirkliche Unterstützung und Ausbildung, da fühlt man sich vom Staat ausgenützt und ausgesaugt.

Ersteller: Alexandra Kiera, Helena Papendick

Von Helena, 13. Juli 2010, 16:04 Uhr

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