Wenn ein Kind Probleme hat, dann zeigen sich sehr oft verschiedene Symptome, anstatt der eigentlichen. Deshalb ist es wichtig, falls diese auftreten, sie nicht zu ignorieren oder sie als momentane Phase abzutun, sondern ernsthaft darauf einzugehen und nach den Ursachen dafür zu suchen.
Es können bestimmte Begleitsymptome auftreten, die auf den ersten Blick nicht direkt mit dem Problem des Schriftspracherwerbs zu tun haben.
Man muss die Schüler immer im Großen und Ganzen betrachten. Ihre Herkunft, Lebensweise und das soziale Umfeld muss immer in Betracht gezogen werden.

1. Aggressivität
Aggressivität ist ein häufiges Symptom, das ein schlimmeres Problem, wie zum Beispiel eine physische Störung, Entwicklungsverzögerung oder psychische Traumata begleiten kann.
Man bezeichnet denjenigen als aggressiv, der einen anderen Menschen direkt (durch Körperverletzung: beißen, schlagen, treten etc.) oder indirekt (durch seelische Kränkung: beleidigen, herabsetzen, entwerten ) beschädigen möchte. Diese Verhaltensformen machen deutlich, dass sich Aggressionen im Kind aufgestaut haben.
Es gibt sowohl offene, verdeckte und stellvertretende Aggressionen. Bei Erwachsenen tauchen mehr versteckte Aggressionen auf, bei Kindern und Jugendlichen dagegen mehr offene Aggressionen. Dies bedeutet für Kinder und Jugendliche einen Nachteil, da ihre offenen Aggressionen sofort auffallen, deswegen bestraft und öffentlich geächtet werden. Dies geschieht, obwohl die Aggressionen der Erwachsenen gegenüber den Kindern wohl kaum weniger aggressiv sind, nur eben verdeckter und damit weniger angreifbar. Offene Aggression bezeichnet den direkten Angriff auf den Bestand und Wert einer Person oder Sache. Die Drohung, Beschimpfung fällt in die offene Aggression, wohingegen das Bewitzeln, Sticheln, Kritisieren und Heruntersetzen zu den verdeckten Aggressionen gehört. Eine stellvertretende Aggression erkennt man, wenn der Vater, der Ärger im Büro hatte, diesen dann zuhause abreagiert.
Doch was kann man als Lehrer, aber auch als Elternteil machen, wenn das Kind aggressiv ist?
• Genaue Beschreibung der Situation, die das Kind wütend macht; dies ist für sie oder ihn oft sehr schwer, deshalb ist es wichtig die nötige Unterstützung zu liefern
• Anschließend kann man nach Lösungsmöglichkeiten suchen, um die Situation für alle Beteiligten zu erleichtern
• Was oft vergessen wird: dem Kind mit gutem Beispiel vorangehen
• Kurzzeitige Abhilfe: Wut „raus lassen“, durch z.B. Sport
• Schwierige Gradwanderung zwischen Wutanfälle ignorieren und mehr Beachtung schenken
–> Grundsätzlich gilt: hinter “auffälligen” Verhaltensweisen sind innere Spannungen oder Konflikte verborgen. Hinter die Fassade zu schauen, kann helfen, ein Kind besser zu verstehen und angemessen auf störendes Verhalten reagieren zu können. Wenn Sie bei Ihrem Kind aggressives Verhalten beobachten, ist das nicht gleich ein Grund zur Sorge! Wut und ähnliche aggressive Verhaltensweisen gehören zum menschlichen emotionalen Repertoire genauso dazu wie andere Gefühle.

2. Hyperaktivität
Wenn Hyperaktivität bei einem Kind auftritt, heißt das nicht zwangsläufig, dass es an ADHS leidet. Manchmal tritt sie auch auf, wenn das Mädchen oder der Junge andere Probleme hat, als sogenanntes Begleitsymptom. Das betroffene Kind Für Lehrer, Schüler und Eltern ist es schwierig mit einem hyperaktiven Kind umzugehen. Deshalb gibt es verschiedene Dinge, auf welche man achten kann und soll:
• Formulieren von Anweisungen in kurzen, klaren Sätzen
• Stark strukturierter Tagesablauf
• Wenige, aber konsequent durchgehaltene Regeln und Grenzen
• Vermeidung von Reizüberflutung
• Ausleben Lassen des Bewegungsdrangs
• Möglichst wenig negative Kommunikationsformen (vor allem bei Kritik)
• Vermeidung von Überforderung
• Gezielte Förderung
• Zusammenarbeit mit Fachleuten

3. Schulangst

Der Schulbesuch ist, gerade in der Grundschule, für die Kinder eine aufregende und interessante Sache, manchmal aber Grund für Angst und Panik. Kurz bevor die Kinder zur Schule gehen sollten, treten bei ihnen alle möglichen Beschwerden auf, von Kopf- bis Bauchweh. Wenn sie die Erlaubnis erhalten haben, den Tag zur Genesung zu Hause verbringen zu dürfen, sind die Schmerzen plötzlich verflogen und den Schülern geht es wieder besser, jedoch wiederholt sich eine ähnliche Situation am nächsten Morgen.
Es ist sehr wichtig, dass gerade Eltern die Schwierigkeiten dahinter erkennen. Sie sollten verschiedene Dinge herausfinden:
• Wovor genau hat mein Kind Angst?
• Geht es um den Lehrer?
• Ist der Leistungsdruck zu groß?
• Ist der Lernstoff zu schwierig, sodass das Kind überfordert ist?
• Gab es Probleme mit Mitschülern?
• Gab es Probleme im Schulbus?
• ….
Eltern sollten die Schulangst ihrer Kinder unbedingt ernst nehmen, da diese nicht grundlos auftritt und bei Nicht-Beachtung Langzeitschäden nach sich ziehen kann. Ein offenes Gespräch mit dem Kind ist genauso nötig wie mit dem zuständigen Lehrer oder sogar einem Schulpsychologen. Alle Parteien sollten dabei sehr einfühlsam mit dem Kind umgehen, da es für dieses ohnehin eine schwere Situation ist.

4. Klassenclown

Es gibt ihn in fast jeder Schulklasse: den Klassenclown. Für sie ist das Klassenzimmer eine Manege. Wie ein Clown machen sie dort ihre Späße, kippeln mit dem Stuhl, reißen Witze und ziehen Grimassen. Und während die Mitschüler vergnügt kichern, geht es mit den schulischen Leistungen des Klassenkaspers rapide bergab. Wenn ein Lehrer dies über einen bestimmten Zeitraum hinweg beobachtet, sollte er das Gespräch mit den Eltern und gegebenenfalls auch mit dem Schulpsychologen suchen. Man darf die Ursachen jedoch nicht nur beim Kind selbst suchen, Gründe können auch sein:
• Überforderung mit dem Lernstoff
• Zu wenig Aufmerksamkeit im Elternhaus
• Veränderungen im familiären Umfeld
• Selbstwertprobleme
Neben dem klärenden Gespräch kann es auch helfen, dem Schüler ein bestimmtes Freizeitangebot zu bieten, am besten ohne die Mitschüler, wo der Betroffene neue Freunde finden kann und nicht den Klassenclown spielen „muss“.

5. Konzentrationsprobleme

Ein ebenfalls weit verbreitetes Begleitsymptom sind die Konzentrationsprobleme. Ursachen hierfür können sein:
• Geringe Ausdauer
• Hohe Ablenkbarkeit
• Rasche Ermüdbarkeit
• Motorische Unruhe
• Verspieltheit
Die Eltern sind hier schon früh gefragt. Es ist wichtig, dass sie ihre Kinder schon früh dazu bringen, begonnene Angelegenheiten fertig zu bringen. Man sollte auch darauf achten, dass die Kinder zu Hause einen ruhigen Arbeitsplatz haben, wo sie sich auch wirklich konzentrieren können.
Auch der Lehrer kann es seinen Schülern erleichtern sich zu Konzentrieren. So sollten zum Beispiel die Arbeitsphasen nicht mehr als 20 min betragen und anschließend durch Spiel, Geschichten, Sport für Lockerung gesorgt werden. Danach können sich die Mädchen und Jungen auch wieder besser konzentrieren!

Ursachen für die verschiedenen Begleitsymptome gibt es zahlreiche. Es ist jeder Fall einzeln zu betrachten. Wichtig dabei ist es, dass jedes Kind genau zu beobachten ist, um solchen Schwierigkeiten auf den Grund zu gehen.

Miriam Vetter und Julia Ferber

Von Julia, 13. Juli 2010, 17:04 Uhr

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