Lehrplan: Schrift entwickeln=Texte schreiben/Texte verfassen

Da es heute Computer gibt, tritt der ästhetische Aspekt des Schriftspracherwerbs in den Hintergrund

Schreiblehrverfahren Tabelle Word

Schreiblehrverfahren Tabelle Open Office

Von MF, 22. Juni 2010, 22:03 Uhr

Aspekte der Schrift

  1. Lesbarkeit
  2. Geläufigkeit
  3. Genauigkeit/ Orthografie

Um die Lesbarkeit bei Schülern und Schülerinnen zu erreichen, ist es wichtig darauf zu achten, dass die Buchstaben –von ihnen- in genormter Form wiedergegeben werden. Das bedeutet also, dass ein „e“ auch aussehen muss wie ein „e“. Des Weiteren muss die Lehrkraft die Kinder anleiten, dass sie darauf achten keine zu dicken Stifte zu verwenden oder Kleckse auf das Papier und das Geschriebene zu machen, was zu Unleserlichkeit führen würde. Den Kindern muss erklärt werden, dass andere Personen in solchen Fällen nicht mehr erkennen und lesen können was eigentlich gemeint war und geschrieben werden sollte.

Zu diesem Punkt gehört auch die Einhaltung der Schreibrichtung, welches aber schon zum nächsten Punkt übergeht, die Geläufigkeit. Denn Schreibrichtung sichert diese unter anderem.                     a  statt    ² Cl¹

Die Geläufigkeit stellt sozusagen die Grundfähigkeit des Schreibens und auch Lesens dar. Nur so ist eine schnelle und auch gleichförmige Schrift überhaupt möglich. Dabei darf die Hand nicht verkrampfen, sondern muss von den Kindern locker gehalten werden. So ist dann auch die verbundene Schreibschrift mit lockerer Hand und langem, schnellem schreiben möglich. (Im Idealfall!)

Die Genauigkeit und Orthografie ist Voraussetzung für die vorhergegangenen zwei Punkte. Denn wenn dieser Aspekt nicht erfüllt ist, leiden auch die beiden anderen darunter.

Wichtig ist zu beachten, wann man welche Schwerpunkte beim Erlernen der Schrift festsetzt. Am Anfang ist – mit den Grundkenntnissen – die Lesbarkeit am wichtigsten und im späteren Verlauf sollte auf schnelles Schreiben Wert gelegt werden, damit die Kinder dies bald sicher können. Immer jedoch muss der Aspekt der Geläufigkeit mit berücksichtigt werden.

Rebecca Bilek

Von RB, 22. Juni 2010, 12:28 Uhr
Lesen Schreiben
Beim Lesenlernen ist es besonders wichtig den Grundschülern sowohl ganze Wörter als auch einzelne Buchstaben zu präsentieren. Unter Umständen können bedeutende Wörter (wie beispielsweise „Theater“, oder „Zirkus“) vorangenommen werden.Außerdem sollten immer sinnvolle Texte verwendet werden. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Lehrkräfte vorsichtig sein sollten, mit Fibeln, die aus einer durchlaufenden Erzählgeschichte bestehen. Denn wenn ein Kind einmal kein Interesse an einer einzelnen Geschichte zeigt, verliert es schnell den Anschluss und versteht die Fortsetzungen nicht mehr.Kinder sollten beim Üben immer sowohl laut als auch leise lesen. Dabei ist das Ziel einerseits den Sinn des Gelesenen zu erfassen, andererseits aber auch die Lesetechnik zu verbessern.Die Lehrkraft sollte Lesetexte in vielfältiger Weise bereitstellen und im Unterricht verwenden. Als Beispiele können Sachtexte, Märchen, Fabeln und Texte in Form von Briefen genannt werden.Wenn Kinder in der Schule laut vorlesen, ist auf Struktur und Offenheit zu achten. Das heißt auf der einen Seite sollen die Schüler die Struktur des Geschriebenen erfassen und auf genaues Lesen achten, auf der anderen Seite sollen sie den Sinn des Textes erfassen. Die Lehrkraft gerät oft in Entscheidungsschwierigkeiten, wann sie einen Schüler, der etwas falsch vorliest, unterbrechen soll und wann sie ihn weiterlesen lassen sollte, damit die Sinnerfassung nicht unterbrochen wird. Allgemein kann man sagen, dass es vor allem anfangs sinnvoll ist, die Schüler zu unterbrechen, da es gerade beim Buchstabenerwerb wichtig ist, genau zu lesen und zu sprechen. Beim Schreiben und auch beim Schreibenlernen kommt der Motorik eine sehr große Bedeutung zu. Die Kinder sollten die Buchstaben vom Großen hin zum Kleinen lernen, da dies für sie eine enorme Erleichterung darstellt. Beispielsweise wird das große „A“ zuerst in die Luft gemalt, danach auf den Boden, in den Sand, auf die Tafel und schließlich langsam kleiner und präziser auf ein DIN A3 Blatt und letztlich in ein Heft mit Zeilen, welche oft in der Art eines Hauses aufgebaut sind (Dachgeschoss, Erdgeschoss, Keller).Als Schreibmaterialen für die Grundschule sind Filzstifte sehr gut geeignet, da schon bei einfachem Aufdrücken ein schöner Strich entsteht. Nachteil dieses Schreibmediums ist das Durchdrücken der Farbe auf die nächste Seite, weswegen Filzstifte für Papiere, die aufgehängt werden, passend sind. Bei Buntstiften und Wachsmalkreiden müssen die Kinder stärkeren Druck auf den Stift ausüben und verlieren so die so wichtige lockere Hand.Außerdem ist es sinnvoll, den Kindern viele verschiedene und in schöner Form vorhandene Papiere anzubieten – v.a. schöne weiße Blätter und Tonpapier –, da sie darauf auch lieber etwas schreiben, was wiederum ihre Schreibfähigkeit schult.Wenn etwas von den Kindern Geschriebenes aufgehängt werden soll, bieten sich besondere Materialien wie Rinde, buntes Tonpapier, Butterbrotpapier usw. an. Beim Aushängen muss aber immer beachtet werden, dass von jedem Kind genau gleich viel zur Schau gestellt wird.Das Schreibenlernen geht von der Druckschrift hin zur Schreibschrift, wobei die Bewegungsabfolge der Buchstaben bei beiden Schreibarten festgelegt ist. Bei der Vereinfachten Ausgangsschrift beginnt und endet z.B. jeder Buchstabe am oberen Ende des Mittelbandes.Des Weiteren sollte man als Lehrkraft oder Elternteil auf die Stifthaltung des Kindes achten und diese bei Fehlhaltungen verbessern. Auch die Händigkeit muss bei Kindern, die sich noch nicht sicher sind, mit welcher Hand sie schreiben, überprüft werden, was durch Tests wie Ball zuwerfen oder Hände ineinander falten lassen einfach möglich ist. Ein Umlernen der Händigkeit ist unbedingt zu unterlassen.

 

Dies alles waren nur Grundgedanken zum Thema Schrift. Die Entscheidung über das Unterrichten liegt aber letztendlich bei der jeweiligen Lehrkraft.

Anna Hambach und Theresa Anna Pflantz

Von AH1, 22. Juni 2010, 12:27 Uhr

Dies ist ein Interview, das wir mit einer langjährigen Grundschullehrerin geführt haben. Sie ist mittlerweile in Pension und war so freundlich, uns ein paar Fragen bezüglich der (Schön-)Schrift und deren Entwicklung im Unterricht zu beantworten.

(Der Name der Interviewten kann aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht werden)

Wie wurde die Schrift erlernt, als Sie als Lehrerin an die Schule kamen?

Als ich 1962 als Lehrerin in die Schule kam, wurde nicht mehr mit der Druckschrift, sondern mit der Schreibschrift begonnen. Das heißt, es wurde nicht mit fertigen Buchstaben angefangen, sondern die Teilelemente wie die “Girlanden”, “Arkaden”, “Wellen”, “Oberlängenschleifen”, “Unterlängenschleifen” und “Rundovale” mit rhythmischen Schwungübungen eingeübt.

Zum Beispiel wurde die Girlande,

die sowohl beim Schreibschrift-U, als auch beim Druckschrift-U benötigt wird, mit dem Vers „Otto baut ein Hundehaus, malt dazu die Ziegel auf“ rhythmisiert. Für jedes Schreibelement existierte solch ein passender Spruch.

Die Buchstaben wurden noch nicht analysiert und als Buchstaben erkannt, sondern es wurde nur die Schreibbewegung dazu eingeübt.

Die Buchstaben selbst wurden erst im Großen, dann im Kleinen und teilweise auch mit Bewegung erlernt.

Die Kinder erlernten das Schreiben in der Schreibschrift, das Lesen hingegen in der Druckschrift. Dies funktionierte meiner Meinung recht gut, bot allerdings vielen Skeptikern Anlass zur Kritik. Daraufhin wurde diese Methodik abgeschafft und der Unterricht wurde wieder mit Druckschrift begonnen. Die Schreibschrift erlernten die Kinder im Laufe der ersten oder sogar erst in der zweiten Klasse. Dadurch gingen der Lese- und der Schreibprozess wieder Hand in Hand, was sich ja bis heute sehr bewährt hat.

Früher wurde alles exakt geübt, denn damals hatte man auch noch Zeit dafür, was sehr wichtig ist. Die Verbindungen der Ober- und Unterlängenschleifen  wurden genauso einstudiert, wie der Anstrich  und die Girlanden . Viele Buchstaben und Formen beinhalten in der lateinischen Ausgangsschrift die halbe liegende 8 . Deshalb wurde großer Wert darauf gelegt, diese durch verschiedene Bewegungsübungen zu erlernen, etwa indem die Schüler zwei Stühle in Achterform umkreisten.

Musik ist ein ausgezeichnetes Mittel zur Unterstützung des Schrifterwerbs. So verband ich melodische und rhythmische Aufgabenstellungen immer mit Bewegungsaufgaben.

Der genaue Zeilenabstand musste eingehalten werden, genauso wie die Schreibrichtung. In der Regel wurden die Buchstaben zu Beginn auf ein großes Blatt geschrieben, bevor man dazu überging, sie zunächst auf eine Zeile und dann erst ins Heft zu schreiben. Man begann das Schreiben mit Kleinbuchstaben, die Großbuchstaben wurden erst später gelernt.

Wie haben Sie in Ihrer Zeit als Lehrerin das Schriftbild erlebt?

Die Schriften waren zum Teil sehr schön. Bei mir wurden Linkshänder nicht gezwungen mit der rechten Hand zu schreiben. Linkshänder haben sich zwar manchmal schwerer getan, es gab aber auch welche, die sehr schön geschrieben haben.

In der Regel haben sich auch die Buben schwerer getan als die Mädchen. Man darf natürlich nicht pauschalisieren, aber die Entwicklung der Feinmotorik ist im Grundschulalter bei Mädchen ausgeprägter als bei Jungs.

Können Sie uns auch etwas über den Wandel zur vereinfachten Ausgangsschrift erzählen?

Um 2003 kam es zu einer Schriftänderung, nämlich zur Vereinfachten Ausgangsschrift.

Diese kann man auch schön schreiben, aber sie verleitet durch die Vereinfachung zur Oberflächlichkeit. Das Hauptproblem liegt darin, dass dabei so oft abgesetzt werden muss, was pädagogisch dadurch begründet ist, dass das Wort durch die kleineren Schreibeinheiten orthographisch leichter gelingt als wenn man alles in einer Einheit schreibt.

Die Kinder müssen darauf vorbereitet werden und lernen, die Zeilen einzuhalten.

Dies kann beispielsweise durch Ausmalen oder auch durch Übungen im Sport, bei denen Grenzen nicht überschritten werden dürfen, erfolgen.

Ich denke es kommt nicht darauf an, welche Schrift man lernt, sondern wie man sie gelehrt bekommt. Jede Methode führt zum Ziel, solange sie konsequent beibehalten und nicht mit anderen Methoden gemischt wird.

Denken Sie, dass früher mehr Wert auf Schönschrift gelegt wurde?

Früher wurde die Schönschrift benotet. Auch die Eltern legten großen Wert auf eine genaue Ausführung der Buchstaben und auf eine saubere und ansprechende Heftführung.

Heute wird im Allgemeinen nicht mehr so viel Wert darauf gelegt.

Ohne Noten fehlt auch ein Anreiz, schön zu schreiben. Es hieß, die persönliche Schrift soll ab der dritten Klasse entwickelt werden. Das ist aber meiner Meinung nach etwas zu früh.

Von RJ, 21. Juni 2010, 22:09 Uhr

Lateinische Ausgangsschrift:

  • verwendet bis 2000
  • Zeilenverhältnis 4:5:4
  • leichte Rechtslage
  • Drehrichtungswechsel (z.B.: H)  ->Entlastung der Feinmotorik,deshalb zuerst in Sonderschulen eingeführt
  • variable Buschstabenverbindung

Vereinfachte Ausgangsschrift:

  • eingeführt ab 2001
  • Zeilenverhältnis 1:1:1
  • Baukastenprinzip: Buchstabe für Buchstabe wird immer an der selben Stelle verbunden und zusammengebaut ->Enstehung eines gewissen Rhythmus´
  • Anfang und Ende des einzelnen Buchstabens am oberen Ende des Mittelbandes (z.B.: i,s,z,t)
  • Orientierung an der Druckschrift -> Einfachheit
  • möglichst wenig Drehrichtungswechsel

Lateinische Ausgangsschrift

Vereinfachte Ausgangschrift

1-3 verschiedene Schriftbilder der Lateinischen Ausgangschrift;

4 Vereinfacht Ausgangschrift

Bauer Karina, Hüther Ann Susann

1981 vergleicht Heinrich Grünewald die beiden Ausgangsschriften  in einer Studie und behauptet daraufhin, die vereinfachte Ausgangsschrift sei besser ( Schreibgeschwindigkeit, Rechtschreibung,..).

1996 versucht  Wilhelm Topsch dies zu widerlegen. Allerdings beruht die Basis seiner Aussage nur auf einem Satz, der zu schreiben ist, :   ” Wir malen ein Auto” –> wenig unterschiedliche Buchstaben; wie auch keine gleichmäßige Aufteilung von Jungen und Mädchen

=> Aussage nicht besonders aussagekräftig

Steininger

Von KB1, 21. Juni 2010, 18:49 Uhr

Hier seht ihr ein Video zum Thema Schönschrift-Unterricht und wie ihn die verschiedenen Generationen erlebt haben.

Umfrage zum Thema Schönschrift in der Grundschule

Das Ergebnis dieses Videos zeigt, dass die Schönschrift im Laufe der Zeit an Bedeutung verloren hat. Zwar wird heutzutage noch Wert auf das Schönschreiben gelegt, jedoch werden die Kinder nicht mehr benotet.

Früher wurde hingegen sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Einträge in einer sauberen Schrift verfassten, diese wurden auch benotet.

Auf die Frage, wie sie die Benotung und Wertschätzung der Schönschrift in ihrer Grundschulzeit empfanden oder heutzutage bewerten, gaben die männlichen Befragten im Gegensatz zu den weiblichen Befragten überwiegend an, es habe sie damals eher gestört und in der Notenbilanz heruntergezogen. Die älteste befragte Generation war sich jedoch darüber einig, dass die Betonung der Schönschrift in der Schule sehr wichtig und positiv zu bewerten ist.

Von RJ, 20. Juni 2010, 19:23 Uhr

Was sind die aktuellen  didaktischen Prinzipien des Lese-  und Schreiblernverfahrens?

-          Kommunikationsorientierung – oberste Maxime

  • Lesen u. Schreiben sollen Kommunikation ermöglichen
  • SSE soll zeigen, was Kommunikation bedeutet
  • Schüler sollen Erleben, dass SSE der Kommunikation dient

→bei der Auswahl der Fibel, Anlauttabelle… beachten

-        Persönliche Relevanz

  • Kind soll sich angesprochen fühlen
  • Geschriebenes soll mit der Lebenswelt der Kinder zu tun haben
  • Kinder sollen mit dem Geschriebenen Assoziationen verbinden
  • Lernen mit allen Sinnen (Kneten, Hören, in die Luft zeichnen, fühlen, Geruchssinn – Buchstaben mit Duft verbinden, Geschmackssinn)
    • besonders bedeutsam für Schüler, die schlecht hören

    - zur besseren Abgrenzung der einzelnen Buchstaben (b-d)

    • Verankerung geschieht über Vernetzungen im Gehirn
    • zeigt, dass Schriftsprache überall relevant ist

-          Textvielfalt

  • nicht nur klassische Leselerntexte (auch Comics, Briefe…) verwenden
  • Genderaspekt beachten (Jungen interessieren sich für Sachtexte)
  • Bildervielfalt ( Fotos, Karikaturen, Zeichnungen, Farbe, schwarz-weiß)

→ Textvielfalt schult Literalität

-          Waage zwischen Struktur und Offenheit

  • bezieht sich auf Lese- und Schreiblehrgang
  • Strukturiertheit:
    • Stunden ähnlich aufbauen ( gleiche Einführung der Buchstaben, gleiches Übungsschema…)
    • unterschiedliche Methoden überfordern (leistungsschwache) Schüler
  • Offenheit:
    • leistungsstarke Kinder brauchen unterschiedliche Möglichkeiten (zusätzliche Angebote durch offene Unterrichtsformen)

→ Grundsätzlich gilt die 2-3 Monatsmarke und die 7-8 Buchstabenmarke:

  • Nach 2- 3 Monaten (bis ca. Weihnachten) sollten Kinder das Prinzip des Zusammenlesens  verstanden haben (spätestens dann Fördermaßnahmen einleiten).
  • Erst wenn 7-8 Buchstaben erlernt und verinnerlicht wurden, darf  fortgesetzt werden  (1 Woche Ruhe, Sicherung, Kontrolle).
  • Nach diesen 7 Buchstaben sollte Grundprinzip verinnerlicht sein.
  • „Sich traun beim Lernen Zeit zu lassen“ – kein Konkurrenzdenken

-

Von CS1, 18. Juni 2010, 15:43 Uhr

Um zu erfahren mit welcher Methodik verschiedene Generationen das Lesen erlernt haben, befragten wir einige Passanten in Eichstätt. Die unterschiedlichen Eindrücke und Erinnerungen seht ihr im Video:

Leselehrverfahren – mehrere Generationen blicken zurück

Da die Tonqualität bei 2 Interviews sehr schlecht ist, kann man hier die Aussagen im Wortlaut noch einmal nachlesen:

Passantin, *1948

Ja, wir haben einzelne Buchstaben gelernt, genau. Und die dann zusammengeführt. Also keine Ganzheitsmethode, das hat meine jüngere Schwester dann gehabt, die ist `55 geboren, ich ´48. Bei uns hat man das mit einzelnen Buchstaben gemacht, sie hat dann Wörter gelernt, ganze. Da kann ich mich noch daran erinnern.

Gab es dann schon Bilder zu den einzelnen Buchstaben?

Also, ich kann mich nicht daran erinnern. Ich hatte die Grundschule als ganz schrecklich in Erinnerung, mit „Tatzen“ und autoritärem Gehabe, also das ist mir ein Graus, wenn ich daran denke,  das war ganz schlimm.

Ehepaar, 1949 eingeschult

Passantin:

Wir haben die Buchstaben aneinandergesetzt und haben das dann so zusammengefunden. (…) Ei- mer. Zuerst ein <e> und ein< i> war ein <ei> (…dann kam so ein Bindestrich und <mer>) und dann kam< Ei-mer>. (…) Wir sind ja Nachkriegskinder.

Passant:

Wir sind ja ´49 in die Schule gekommen.

Passantin:

Und unsere Kinder haben das Lesen auch schon ganz anders gelernt. Sie haben richtige Worte geschrieben und haben sich dann dieses Bild eingeprägt. Und meine Enkelkinder, die haben lesen gelernt, das habe ich auch gut mitbekommen, sie konnten schreiben wie sie es hören. Die haben das auch so aufgeschrieben und haben dann viele Fehler machen dürfen, aber das war egal. Und die jüngeren Enkelkinder, die wir jetzt haben, bei denen geht es wieder nach Buchstaben. Aber wir kommen aus dem Rheinland, vielleicht ist das in Bayern ja anders.

Von ML, 8. Juni 2010, 20:59 Uhr

Es gibt 2 Möglichkeiten, lesen zu lernen:

1. synthetische Verfahren:

Buchstaben werden einzeln aneinander gereiht (Baukastenstruktur)

Bsp: M+A+M+A =Mama

2. analytische Verfahren:

geht vom ganzen Wort aus, Buchstaben werden anhand des Wortes erkannt

Wandel der synthetischen Leselehrverfahren:

Die ersten synthetischen Methoden entstanden bereits im Mittelalter.

1) Buchstabiermethode (Mittelalter):

Hauptproblem: man lernte die Buchstaben anhand ihrer Namen ( z.B. “em” ) und nicht nach dem Laut ( z. B. “m” )

Dies führte durch zusätzliche Laute im Buchstabennamen zu Irritationen. Das buchstabierte Wort ergab somit keinen Sinn mehr (Bsp: Mama würde nach dieser Methode “Emaema” heißen). Sturre Kombination von Buchstaben nach dem ABC, d. h. zuerst wurde das A gerlernt, dann das B usw.

→ diese Methode wurde in Bayern 1803 verboten!

2) Lautiermethode (Mittelalter):

Versuch das Lesen durch Laute zu erlernen, doch auswendig gelernte Laute wie z. B. ma, me, mi … ergeben ohne Wortbedeutung ebenfalls keinen Sinn.

3) Sinnlautmethode (16./17. Jh.):

Versuch: Laute mit Wesenseinheit zu verbinden, z. B. das i steht für dreckig, a steht für staunen…

→ reine Merkhilfe, man kann daraus keine Schlussfolgerung für die Lesetechnik ziehen!

4) Anlautmethode (18./19. Jh.):

Grundgedanke: Laute mit Wörtern verbinden, z. B. N mit Nest…

Kinder sollen damit ein Lesegefühl entwickeln.

5) begriffliche oder artikulative Methode (18./19. Jh.):

rein logopädischer Ansatz!

Durch eine bestimmte, erlernte Zungenstellung soll das Wort gebildet werden. Hierbei aber kein Zusammenhang zwischen Lesen und Schreiben.

6) Vokalisationsmethode (18./19. Jh.):

Verfahren ähnlich wie bei begrifflicher oder artikulativer Methode, rein logopädischer Ansatz.

→ Heute:  Methode 5 und 6 wird im normalen Unterricht kaum verwendet, findet jedoch ihre Anwendung in der Sonderpädagogik oder Logopädie.

Nachteil dieser Lautierverfahren: Schüler denken beim Lesen nicht mit, erlernen keine Sinnerwartung, können nur lautieren.

Von BK, 8. Juni 2010, 10:05 Uhr

→ Beginn des 19.Jahrhunderts: Reformpädagogen üben Kritik an den oben genannten Modellen und propagieren andere Zielsetzungen im Lern-Leseprozess:

∙ Ausgehen vom Wortganzen

∙ Berücksichtigung von Leseinhalten sowie der Sinnkomponente zur Stärkung der  kindlichen Lesefreude

FOLGE: In den 60er Jahren findet bereits eine Änderung der Lehrpläne in Richtung solcher Zielsetzungen hin statt.

Methoden:

1.) Die Ganzheitsmethode

-  zu ihr existieren Varianten (Normaltextmethode, Normalwortmethode)

-  ihr klassisches Verfahren in groben Zügen:

→ 1922: „Mein Buch zum Anschauen, Zeichnen, Schreiben, Lesen und Zählen“

-  Die Ganzheitsmethode legt Wert auf eine möglichst enge Verbindung von Lesen- und Schreibenlernen und fordert eine möglichst klar erkennbare Struktur der einzelnen Buchstaben (prägnante, also einprägsame Gestaltung).

-  Außerdem wird anstatt dem Erlernen einzelner Laute (siehe lautsynthetisches Verfahren) ein Erlernen ganzer Wörter angestrebt, mit dem Ziel, den Kindern vor Augen zu führen, dass sie mit Buchstaben immer wieder neue Wörter kombinieren können, dass aber umgekehrt auch jedes Wort aus den gängigen Buchstaben bestehen muss!

-  Dabei ist die Erfolgsquote solcher analytischer Methoden dennoch noch wenig abweichend von denen der lautsynthetischen.

-  ABER: Schüler, die im Leseprozess sehr schwach sind, können diese Schwäche auch oft geschickt verbergen, indem sie zum Beispiel Texte aus der Fibel auswendig erlernen und dann vorspiegeln, die Worte und ihre Lautverbindungen zu beherrschen!

-  Dennoch stärkt diese Methode die Motivation der Kinder und zeichnet sich durch seine hohe Kindgemäßheit aus!

Die Ganzsatzmethode nach KERN:

Ihr Fundament bilden das Ausgehen von ganzen zusammenhängenden Wörtern und deren Illustration durch Bilder, mit dem Ziel, dem Schüler ein besseres Lernverständnis zu ermöglichen. Außerdem wollen Arthur und Erwin Kern das Augenmerk im Lesen- und Schreibenlernen auf die Sinnkomponente legen, um so den Lese- und Schreibprozess eng miteinander zu verknüpfen

Von TH, 7. Juni 2010, 15:15 Uhr